Verzweifelte Griechen

"Verzweifelte Griechen", so lautete heute eine der Überschriften aus dem Handelsblatt-Newsletter "Finance Today".**

Thema: Die immer heftiger und lauter aus Griechenland an uns Deutsche herangetragene Forderung nach Entschädigungs- und Reparationszahlungen aus dem 2. Weltkrieg. Ziel: Wenigstens auf diese Weise an neues Geld zu kommen, um aus der Staatsüberschuldung rauszukommen.

Die deutsche Volksseele kocht. Meine nicht:

Was bleibt den Griechen denn anderes übrig?

Wer den Griechen die Luft abschnürt, wie wir Deutschen das tun mit unseren Forderungen nach eiserner "Sparpolitik" (allen voran Schäuble und Merkel) - der braucht sich dann doch nicht zu wundern. Und er braucht sich natürlich auch nicht über den wachsenden griechischen Hass auf uns Deutsche zu wundern.

Dazu eine kleine Geschichte, die ich auf Welt Online: "Die Rettung der Griechen ist nur eine Inszenierung" gefunden habe, denn besser kann ich die wahren Zusammenhänge dieser angeblichen "Griechenland-Rettung" auch nicht erklären.

Die Welt beginnt witzemäßig mit "Kennen Sie den" (Und es ist wirklich ein Witz, was wir Deutschen den Griechen mit unseren Vorstellungen von "Sparpolitik" zumuten):

Ein Bauer, dem die Kosten für seinen Hof über den Kopf wachsen, stellt ein Sparprogramm auf. Erst einmal meldet er sich bei der GEZ ab, dann montiert er eine Fotovoltaik-Anlage auf das Dach seiner Scheune, mit der er Strom erzeugt, den er zu einem höheren Preis in das Netz einspeist, als er für den Strom zahlen muss, den er aus dem Netz bezieht.

Aber das reicht ihm immer noch nicht. Er beschließt, seinem einzigen Esel das Essen abzugewöhnen, denn das Futter ist ein erheblicher Kostenfaktor in seiner Bilanz. So gibt er dem Tier jeden Tag etwas weniger Heu und lässt die Mineralien – Natrium, Chlorid und Calcium – ganz weg.

Anfangs geht alles gut, der Esel nimmt zwar ab, macht aber seine Arbeit, ohne zu murren. Bis er eines Tages tot umfällt. "So ein Jammer", sagt der Bauer, "ich hatte ihn beinahe so weit."

Wenn Sie in dieser Geschichte den Bauer durch [Deutschland und] die "Troika" und den Esel durch "Griechenland" ersetzen, dann haben Sie den Schritt aus der Fabel in die Wirklichkeit getan. Griechenland spart sich zu Tode, nein, es wird zu Tode gespart, und zwar von jenen, die für seine Lage mitverantwortlich sind.

Ja, so ist es. Diese besonders von Deutschland forcierte "Sparpolitik" kann nicht funktionieren, wie die Geschichte zeigt. Unmöglich. Man hätte von Anfang Griechenland ein geordnetes "in die Insolvenz gehen" erlauben müssen, so wie man es eigentlich jedem Schuldner erlaubt, wenn er nicht mehr weiter kann. Doch genau das wurde von Merkel und Schäuble verhindert. Die Gläubiger sollten nicht leiden müssen. Und so fließen jetzt rd. 90% der stattdessen bewilligten "Hilfsgelder" ganz direkt und ohne Umwege an die Gläubiger und eben nicht an die Griechen, wie die deutsche Volksseele es glaubt, weil es ihr von Merkel und Schäuble aus so beigebracht wurde, das zu glauben.

Und um das Infame daran noch zu perfektionieren, wurde die "Rettungspolitik" im Einvernehmen mit dem von "Goldman Sachs" durchsetzten "Brüssel" dann "nebenbei" auch noch dazu benutzt, sämtliche Risiken von den ursprünglichen "privaten" (bzw. als "privat" anzusehenden) Gläubigern klammheimlich auf die "öffentlichen" Staatshaushalte zu verlagern, so dass wir alle jedetz dafür bezahlen und nicht mehr die privaten Gläubiger, wenn die gesamte Rettungspolitik dann doch noch schiefgeht. Nie wäre das so gekommen, wenn man von Anfang an die Gläubiger hätte bluten lassen.

Und das hätte man, denn haben diese Gläubiger nicht mindestens genauso Schuld, dass es zu dieser desaströsen Verschuldung Griechenlands kam? Weil sie nämlich die Kreditwünsche Griechenlands nicht so akribisch geprüft haben, wie es sich für eine ordentliche Kreditvergabe gehört? Weil sie nämlich dachten, ein Staat kann und wird nicht pleite gehen, irgendeiner wird da schon kommen und ihn "retten"?

Damit das alles nun aber nicht an den Tag kommt, wird von Merkel und Schäuble nun immer lauter und schriller gefordert, dass Griechenland jetzt aber wirklich mal "seine Hausaufgaben" machen müsse. Und die deutsche Volksseele klatscht auch noch Beifall, denn sie merkt gar nicht, wie sehr Merkel und Schäuble damit nur versuchen, ihre eigenen Fehler zu vertuschen, und dadurch völlig "antieuropäisch" und zum Schaden Europas nun auch noch dafür sorgen, dass Deutsche und Griechen dadurch immer weiter aneinandergeraten. Und die deutsche Volksseele merkt auch nicht, dass der wahre Schuldige sowieso nochmal ganz woanders sitzt:

Das ist der Neoliberalismus

Da gehört "Wir müssen sparen" zu seinen Grundrezepten überhaupt. Und der ist in wesentlichen Teilen leider grundfalsch. Dazu vgl. meine Ausführungen "Das Theoriengebäude des Neoliberalismus und folgende. So stimmt das Grundrezept zum Beispiel für in die Zukunft gerichtete Investitionen nicht und es stimmt in dieser Allgemeinheit auch nicht für den Staat. Weil der nämlich noch ganz andere Aufgaben hat als ein Unternehmen, das nur an seinen Gewinn zu denken braucht. Soziale und militärische Aufgaben, Infrastruktur zum Beispiel. Doch dazu später nochmal mehr an anderer Stelle (in Planung).

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