Über mich

bstaeglich
Bernd Stäglich, Berlin

Auf ein Wort vorweg

Die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens war ich parteipolitisch aktiv. Heute Politikberater und Internetautor ohne feste "linke", "mittige", "rechte" oder "was weiß ich"-Zugehörigkeit. Das einzige, was ich sicher weiß ist, dass ich mich nach meinem Verständnis weiter als "Sozialliberaler" fühle, nur dass es leider dafür keine Partei gibt. Und so finden sich hier dann eben Meinungsäußerungen und Politikergebnisse, die mal "Die Rechten", mal "Die Linken" und mal "Die Mitte" prima finden. Oder manchmal beim ersten Hinsehen auch gar keiner.
Doch wo genau ist das Problem? Das ist ja genau meine Meinung, dass nicht alles schlecht ist, nur weil etwas aus dieser oder jener "Ecke" kommt. Das meine ich und davon lebt auch diese Seite.

Aber nun der Reihe nach:

Ich habe einiges an Interessen, doch besonders interessiert mich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Daran treibt mich um, wie wir uns unsere abendländischen Kant'schen Werte der Aufklärung (Demokratie, Rechtsstaat, Mitmenschlichkeit und unsere sozialen Errungenschaften) bewahren können und was wir den immer entfesselter agierenden Kräften des Marktradikalismus einerseits und des religiösen Fanatismus andererseits entgegensetzen können. Denn zurück in's Mittelalter kann's ja auch nicht sein. Siehe auch Welt- und Menschenbild und meinen Beitrag "Stufentheorie".

Zu allen drei Bereichen, also Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bringe ich besondere Erfahrung und Kompetenzen mit:

Wirtschaft

Diplom-Finanzwirt. Kurzzeitig Studium von Politik und Philosophie. Lange Jahre Konzernprüfer/leitender Prüfer von Betrieben der Mineralölwirtschaft, Exportwirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Ziemlich viel gehörte dazu: Verbrauchsteuerrecht, EU-Marktordnungssubventionen, Verbote und Beschränkungen“ nach Außenwirtschaftsrecht (Hochtechnologie, Rüstungsexporte) sowie Risikoanalyse und -strategie. Auch privat Computerfan war ich bis zu meinem Ausscheiden intensiv beteiligt an einem EDV-Projekt "Computergestützte Prüfung/automatisierte Berichterstellung" sowie als Pilotprüfer auf EU-Ebene an einem Projekt "länderübergreifende Zusammenarbeit“. Von daher weiß ich gut, wie Wirtschaft, Verwaltung und EU „ticken“.

Gesellschaft

Homosexualität

Ich bin nach einigem Überlegen zu dem Schluss gekommen, dass in meinem Fall Privates auch politisch ist. Deshalb: Ich bin schwul und das ist auch gut so. Das war es lange Zeit nicht. Nicht weil ich "deswegen" Schuldgefühle hatte oder gar noch Minderwertigkeitskomplexe. Ich war doch mit mir ganz zufrieden. Nein, weil mir diese ganzen Verklemmungen der anderen "deswegen" das Leben so schwermachten. Doch mehr zu allem in meinem Beitrag "Homophobie - Was tun?". Hier möchte ich jetzt nur auf die Ergebnisse eingehen, die mir diese inneren Kämpfe wegen "der anderen" gebracht haben.

Ergebnis

Diese inneren Kämpfe mit mir und dem Umfeld haben mich insgesamt sensibler und offener gemacht für alles Menschliche. "Mehr Verständnis für die Menschen" sozusagen. Mehr Interesse an dem, was uns Menschen ausmacht. Ich bin dadurch zu Erkenntnissen und Einsichten in Welt und Mensch gebracht (oder besser "geführt") worden, die ich als "Hetero" so nie erlangt hätte und für die ich massiv dankbar bin. Zumal ich beide Seiten kennenlernen durfte. Ja, ich war auch mal „normal“ verheiratet.

Von daher weiß ich gut, was gesellschaftlich geboten und notwendig ist. Doch dazu wie gesagt mehr unter „Gesellschaft“. Da wird es allerdings manche Überraschung geben. So viel sei schon mal versprochen. Beim Thema "Gleichheit", "Gleichstellung" und "Quoten" zum Beispiel. Das "Gendermainstreaming" mit seinen ganzen Übertreibungen trage ich jedenfalls nicht mit.

Politik

Politisch aus einem sehr konservativen, "rechtem" Elternhaus kommend (mein lange verstorbener Vater ist Autor des in Deutschland verbotenen Buches „Der Auschwitzmythos“) war ich Ende der 60er-Jahre, also so mit 15/16 durch meinen Vater zunächst stark nationalistisch geprägt.

Das „Pech“ meines Vaters war, dass er mich in eine Jugendgruppe steckte, von der er aufgrund der Elternorganisation vermutete, dass diese genauso "national" geprägt sei. Das war sie aber nicht. Im Gegenteil: Die war genauso links-aufmüpfig wie fast die gesamte politische Jugend damals (typisch „68er“ halt). Das brachte mich mit einem Male in eine völlig andere Welt! Ich war begeistert. Endlich raus aus dieser düsteren Enge, die mich vorher so lange Zeit umgab. In dieser Zeit wurde dann auch mein Welt- und Menschenbild entscheidend geprägt. Hierzu siehe genauer unter "Welt- und Menschenbild“.

FDP

Erstes (und längstes) parteipolitisches Engagement ab Ende der 1970er Jahre in der damals "linksliberalen" FDP. Ja das war sie tatsächlich mal, was man sich heute selbst bei allergrößter Phantasie gar nicht mehr vorstellen kann. Sie interessierte und begeisterte mich damals mit ihren "Freiburger Thesen" und den aus eigener Betroffenheit mich bewegenden Themen Minderheitenschutz, Eintreten für Homosexuelle, Bürgerrechte und Menschenrechte. Lange Jahre hin bis zum Austritt war ich dort dann Kreisvorsitzender und zuletzt Bezirksvorsitzender/Mitglied des Landesvorstands in Hamburg.

Inhaltlicher Arbeitsschwerpunkt: Berufs- und ausbildungsbedingt sehr schnell "Haushaltspolitik" (u.a. Gründer und Leiter eines Arbeitskreises "Haushaltspolitik" und Mitglied in einem Haushaltsausschuss). Dabei hatte und hat mich eigentlich „Soziales“ immer viel mehr interessiert. Das zeigte sich dann auch regelmäßig in meiner praktischen haushaltspolitischen Arbeit. Allerdings glaubte ich damals so wie viele andere noch heute, es sei "kein Geld da" und "Wir müssen sparen".

Heute weiß ich es besser, u.a. durch Attac,, aber auch durch meine ganz eigenen beruflichen und politischen Erfahrungen. Wir haben ein Verteilungs- und Prioritätensetzungsproblem, aber ganz bestimmt kein Problem, dass „leider leider“ (so wird es uns ja immer erzählt) für dieses und jenes kein Geld da ist. Es wäre da, wenn man es nur wollte. Für Kriege (heute verharmlosend "Auslandseinsätze" genannt) ist ja auch immer Geld da und für die "Elbphilharmonie" auch.

Mitte der 1990er Jahre Austritt aus der FDP wegen ihrer zunehmenden Marktradikalität. Ein schwerer Schritt. Und auch nicht „sauber“ erfolgt gegenüber meinen damaligen Parteifreunden (doch, die gab es wirklich). Etwas, was mir heute noch massiv leid tut, aber vieles war damals auch meiner persönlichen Situation und inneren Verfassung geschuldet, die an Schwierigkeiten weit über das rein Politische hinausging. Doch wie heißt es oft so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und die heutige FDP ist ja ein Schrecken ohne Ende. Sie hat dafür gesorgt, dass „liberal“ heutzutage nur noch mit "Wirtschaft" und „Märkten“ in Verbindung gebracht wird. Dabei ist wahre Liberalität doch so viel anderes. Danach bin ich trotz heftigem Bemühen nirgendwo wieder so richtig heimisch geworden.

STATT-Partei

Zum Beispiel in der "STATT-Partei", deren stellvertretender Bundesvorsitzender ich sogar mal kurze Zeit war neben meinen Jobs in einem Bezirkshaushaltsausschuss und als Versammlungsleiter "bundesweite Ausdehnung" sowie vieler anderer Versammlungen. Die STATT-Partei wollte ja alles "anders" machen als die anderen Parteien, das faszinierte mich. Tatsächlich geschah das krasse Gegenteil.

Warum? Das hat daran gelegen, dass praktisch lauter Protestler zu ihr strömten, die wertemäßig letztendlich nichts anderes verband als es "denen da oben" mal richtig zu zeigen.

Attac

Immer weiter globalisierungskritischer, wirtschaftskritischer und „linker“ werdend engagierte ich mich eine Zeitlang schließlich bei Attac. Dort auf Hamburg-Ebene Referent und Mitglied der Hamburger „Werkstatt Bildung“. Doch leider ging es dann nicht weiter, weil klare Strukturen fehlten. Das Arbeitsprinzip dort entwickelte sich zunehmend zum "Komm ich heut nicht, komm ich morgen".

Die Linke

Die größte böse Überraschung war für mich zuletzt "Die Linke" (heute bin ich da natürlich schon lange ausgetreten, obwohl "Abgeordnetenwatch" meint, mich wohl noch die nächsten 100 Jahre dort verorten zu müssen). Und das, obwohl ich da doch nie Abgeordneter war. Ein merkwürdiges Verständnis von "Watchen". Nun gut.

Der Linken war ich über die Programmatik nahe gekommen bezüglich ihres damals haushaltspolitisch äußerst sinnvollen Vorschlags ÖBS (Öffentlich geförderter Beschäftigungsektor). Dort Gründungsmitglied in Hamburg, fast zeitgleich schon kurz darauf Schatzmeister in einem Bezirksvorstand und teilweise einer der Bezirkssprecher. Außerdem AG Wirtschaft und kurz vor Austritt noch schnell "Anführer" einer Abspaltung "Neue Wirtschaftspolitik", was aber auch nichts brachte.

Dort musste ich lernen, dass "links" wenig mit "sozial" zu tun hat. Warum? Weil dort der Mensch als "Zweck an sich" gar nicht im Mittelpunkt steht, sondern in vielerlei Hinsicht reduziert wird auf's rein Ökonomische: Nämlich auf seine Verwertbarkeit und Nützlichkeit als Masse. Entweder als gut funktionierender "Werktätiger" oder als Mittel im "Kampf gegen...".

Verblüffend ähnlich also dem Kapitalismus. Wo der einzelne Mensch ja auch nicht als "Zweck an sich" im Mittelpunkt steht, sondern nur seine Verwertbarkeit. Im Kapitalismus eben halt nur seine Verwertbarkeit als möglichst viele Schulden machender "Konsument" (Höhere Löhne? Gott bewahre!) und als möglichst billiger "Kostenfaktor" ("Sklave des 21. Jahrhunderts"). Wirklich alles sehr geschickt eingefädelt, ich komme darauf zurück.

Fazit

Parteipolitisch habe ich also ein buntes, schillerndes Leben. Etwas, was man mir versteckt besonders gerne mal in der Linken vorgeworfen hat.... Nie offen natürlich.

Und was man mir vielleicht auch heute noch vorwerfen könnte: „Der weiß ja gar nicht, was er will...“, „Wie kann man nur...“ usw.

Mein Standpunkt ist ein anderer:
Was kann ich dafür, wenn Parteien sich am Ende als etwas ganz anderes entpuppen oder sich in eine ganz andere Richtung entwickeln als sie vorgeben zu sein? Und dann soll ich alles mitmachen von der Wiege bis zur Bahre, denn „Austreten“ gehört sich ja nicht? Was für eine traurige Figur wäre ich da geworden. Nein danke.

Der Punkt ist (und das ist für mich das Entscheidende): Ich bin mir innerlich immer treu geblieben, egal wo ich engagiert war. Opportunist war ich nie. Dann hätte ich eine ganz andere Karriere hingelegt. Und ich bin dankbar für die vielen wertvollen Erfahrungen, die ich mit dieser Haltung sammeln durfte und die ich sonst nie erlangt hätte. Was nützt mir ein Vorstandsposten oder Vorsitzenden-Posten, wo ich nur ein Krüppel meiner selbst sein kann. Zumal ich alles davon in meinem Leben gehabt habe. Ich weiß, wie es sich anfühlt, "wer zu sein" und wie es ist, plötzlich groß in der Zeitung zu stehen.

Und: Könnte ich sonst in allen diesen Dingen so_ gut mitreden? Mich so gut einfühlen, was derzeit gerade auch politisch passiert? Was ich im Nachhinein immer wieder feststelle und was ich gut finde ist: Alles in meiner Entwicklung hatte irgendwie seine Zeit und seine Notwendigkeit. Es passte. Und so wird es hoffentlich auch in Zukunft sein.
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