Stufentheorie - Schwierigkeiten

Positiver Fortschritt der Menschheit?

Bisher ging ich In meinem hegelianisch geprägtem "Welt- und Menschenbild" und auch in der Stufentheorie stets von einem positiven Fortschritt der Menschheitsentwicklung aus. Meine neuere Ausarbeitung "Religion" zeigt mir allerdings, dass das lange nicht so sein muss! Schließlich ist danach auch "Nihilismus" und purer Materialismus möglich. Ein durchgängig positiver Fortschritt steht da nicht gerade an erster Stelle.

Vom persönlich zu denkenden "lieben Gott", an den besonders viele glauben, kann ich für meine These vom positiven Fortschritt der Menschheit auch nicht viel ableiten. Ganz offensichtlich ist Gott fehlbar und hat ganz schön mit sich selber zu tun. Diese Ansicht vertritt jedenfalls der Schauspieler Leonard Nimoy alias "Mr. Spock" (siehe nachstehendes Foto) und ich fühle mich ihm nahe:

mrspock
Quelle: Facebook10997721_518430878299541_5046381163763426308_n.jpg

Meine jüngste Entdeckung des "Mephisto-Andersrum-Problems" stimmt ebenfalls nicht hoffnungsfroh. Aus der Mephisto-Andersrum-Betrachtung ergibt sich nämlich zwingend, dass die göttliche Kraft, wenn es sie denn gibt, jenseits von Gut und Böse angesiedelt sein muss! Ein durchgängig positiver Fortschritt ist also auch danach nicht unbedingt zu erwarten. Auf den ersten Blick ist sogar "Das totale Böse" möglich!

Doch nun zu der Hoffnung! Wir können nämlich davon ausgehen, dass es das "totale" Böse in der Welt letztendlich NICHT gibt!

Das zeigt auf sehr überzeugende Weise das Essay "Dummer Teufel - Armer Teufel", das mir Buchautor und Philosoph Dieter Sienknecht freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen hat: Gäbe es "Das 'totale' Böse", müsste es sich von der Gesamtlogik her nämlich umgehend selbst vernichten. also kann es das "totale" Böse für sich alleine nicht geben. Ein bisschen "Gutes" muss selbst im Bösesten noch stecken!

Was zu Ende gedacht auf eine Art naturgegebener "Koexistenz der Gegensätze" hinausläuft!
Diese Koexistenz von schwarz und weiß steckt übrigens exakt so im weitverbreiteten "Yin Yang"-Symbol. Weshalb ich es auch schon ganz viele Jahre zu einem meiner Lebenssymbole gemacht habe. Denn geglaubt habe ich an diese "Koexistenz der Gegensätze" schon immer, nur so durchdacht wie jetzt hatte ich das noch nicht:
yin_yang Man sieht: Da ist selbst im Schwärzesten immer noch ein bisschen Weißes! Im Weißesten ("Unschuldigsten") allerdings auch immer ein bisschen Schwarzes (ein bisschen 'Böses')!

Hoffnung

Wir sehen: Es gibt Hoffnung für die vorgestellte positive Weiterentwicklung der Menschheit. Sie verstärkt sich für mich durch Kohlberg's Stufentheorie: Kohlberg, ein amerikanischer Psychologe und Erziehungswissenschaftler (Lawrence Kohlberg, * 25. Oktober 1927 in Bronxville, New York; † 19. Januar 1987) geht darin davon aus, dass sich die gesamte Menschheitsentwicklung (menschliche Moralentwicklung) in Stufen vollzieht, so wie wir uns als einzelne Menschen ja auch in Stufen fortentwickeln. Und wie es bei uns einzelnen Menschen diese ständige Fortentwicklung vom Kleinkind über die Pubertät bis hin zum Erwachsenen und schließlich hin zum "alt und weise"-Werden" gibt, so gibt es diese Entwicklung nach seiner These auch für die Menschheit "an sich".

Interessanterweise deckt sich diese These mit einigen anderen Forschungsergebnissen: So sprach schon zur späten Mitte des vergangenen Jahrhunderts der berühmte Verhaltensforscher Konrad Lorenz davon, dass wir Menschen uns erst auf dem Weg vom "Affen zur Menschwerdung" befinden. Und der Hirnforscher Gerald Hüther kommt in seinem Buch "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" (Göttingen 2006) zu der Mut machenden Erkenntnis,

dass wir ein zeitlebens lernfähiges

und auch ein lebenslänglich veränderbares Gehirn haben!

Fazit

Es kommt also auf uns an, was wir aus uns machen! Wir sind nicht nur Spielball. Wir tragen einzeln und insgesamt für diese Welt Verantwortung! Jeder Einzelne von uns! Und es kommt auf unsere Gesellschaft an, ob sie uns einzelne Menschen sich in dieser Hinsicht gehirnmäßig entwickeln und an sich arbeiten lässt. Dafür plädiert auch Gerald Hüther in seinem Buch und dafür hat er seine "Bedienungsanleitung" geschrieben. Jeder, der an der eigenen geistigen Fortentwicklung und an der Fortentwicklung der Welt auch nur ein bisschen interessiert ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Viele Kräfte kämpfen momentan gegen diese Art von Aufklärung. Die religiösen Fanatiker ebenso wie der durch und durch materialistische Neoliberalismus. Der möchte nämlich nur, dass wir möglichst gut funktionieren und konsumieren. Uns selber nachdenken lassen gehört nicht zu seinen besonderen Kennzeichen, auch wenn er gern vom "mündigen Bürger" und "mündigen Verbraucher" spricht.

Wir müssen uns also anstrengen. Dabei hilft uns die Forschungserkenntnis Kohlbergs, wonach wir uns als Menschheit größtenteils gerade in unserer pubertären Phase befinden. Das ist die Phase, wo wir im "wirklichen" Leben ja auch nicht so recht wissen, wohin mit uns. Inneres Chaos und Aufsässigkeit, Nihilismus und Skeptizismus, Gewalttätigkeiten und Aufgeregtheiten kennzeichnen diese Phase.
Ein weiterer Teil von uns Menschen steckt hirnmäßig sogar noch in den Entwicklungsstufen davor: Was uns den heute oft auf so besonders schreckliche Art Halt suchenden Fanatismus erklärt, wo jedes Mitgefühl und jede Mitmenschlichkeit einfach fehlt. Ein ganz kleiner Teil der Menschheit (1/5tel) hat allerdings bereits die über die Pubertät hinausgehende Stufe erreicht! Es geht also!

Das Gute an der Stufentheorie ist, dass sie eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, dass es diese stufenweise Entwicklung wirklich gibt. Das ganze lebendige Leben funktioniert so. Warum also nicht auch hinsichtlich der Menschheitsentwicklung insgesamt. Auch Hüther spricht von "Stufenleitern" - Stufenleiter der Wahrnehmungen, der Empfindungen, der Erkenntnis, des Bewusstseins... (S. 103 ff)

Der Punkt ist aber auch hier: Es liegt mit an uns, dass sich alles positiv fortentwickelt! Wir dürfen uns nicht nur auf ein "höheres Wesen" verlassen, selbst wenn es das gibt. Ob wir es nun "Gott" oder sonstwie nennen - Wir sind selbst gefordert! Mit anderen Worten: Dass alles böse endet, ist noch längst nicht vom Tisch!

Wer sich also für dieses Leben und für unsere Welt verantwortlich fühlt, sollte in diesem positiven Sinne an sich selber und auch an anderer Stelle etwas dafür tun, dass es zu dieser positiven Weiterentwicklung kommt. Also zum Beispiel das eigene Hirn trainieren und nicht einrosten lassen, statt bequem zu werden. Schließlich ist doch unser Hirn lebenslang lernfähig und wir können unsere neuronalen Verschaltungen noch bis ins hohe Alter selber zum Positiven verändern! Das wissen wir jetzt. Also packen wir's an!

Womit ich wieder ganz bei der Stufentheorie wäre und an den positiven Fortschritt der Menschheit glaube.

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